Aufklärung ist zu gering
Polizeistatistik: Zahl der Straftaten geht zurück / Firmen sehen sich zunehmend bedroht Verbrechen scheinen sich in und um Lauchhammer zu lohnen, zumindest Diebstähle. Denn die Gefahr, als Täter zur Verantwortung gezogen zu werden, ist gering. Geht es nach der Landesregierung, werden dennoch weitere Polizeistellen abgebaut. Eine Zahl bringt Lauchhammers Vizebürgermeister Jörg Rother auf die Palme: 28,8 Prozent. So hoch ist die polizeiliche Aufklärungsquote bei Diebstählen im Revier Lauchhammer. "Nicht mal ein Drittel der Täter wird geschnappt. Wo soll sich diese Zahl beim geplanten Personalabbau denn noch hin entwickeln", fragt Rother beim Bürgerforum der Brandenburger CDU zur Sicherheit im OSL-Kreis. Er schaut Sven Bogacz mit scharfem Blick an. Dieser ist Leiter der Polizeidirektion Süd. Deren Gebiet erstreckt sich von der Berliner Stadtgrenze im Norden bis zu den Kmehlener Bergen im Süden. Der Polizeichef aus Cottbus hat Verständnis für die Sorgen des Vizebürgermeisters: "Klar ist diese Aufklärungsquote zu gering. Wir drehen dennoch keine Däumchen." Bogacz verweist auf eine neue Einheit in der Polizei, die für Entlastung sorgen soll, den "Ständigen Kriminaldauerdienst". Er sei rund um die Uhr besetzt. "Ein Sachbearbeiter mit spezieller Technik ist ständig vor Ort", erklärt der Polizeichef. In seiner Polizeidirektion gebe es bislang zwei derartige Einrichtungen –in Königs Wusterhausen und in Cottbus. Eine Dritte, die auch für den Raum Lauchhammer zuständig sein soll, befinde sich in Finsterwalde im Aufbau. Für Beruhigung sorgt der "Ständige Kriminaldauerdienst" indes nicht. Björn Lakenmacher, Polizeiexperte und innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, berichtet von einem Fall aus einem Lauchhammeraner Friseursalon, in den eingebrochen worden war. "Die Inhaberin musste fünf Stunden auf die Kripo warten. Während dieser Zeit konnte nicht ein Kunde bedient werden." Ähnliches erlebte der Guteborner Bürgermeister Detlef Ritter. Seinen Angaben zufolge hatten sich besorgte Bürger wegen einer im Ort aktiven Drückerkolonne gleich an ihn statt an die Polizei gewandt. "Selbst zwei Stunden später war noch immer kein Beamter vor Ort", so Ritter. Beim Lauchhammeraner Stadtwehrführer Silvio Spiegel gehen derzeit polizeiliche Anfragen bezüglich Brandstiftungen vom Mai 2012 ein. "Was soll denn da nach fast einem Jahr noch herauskommen?", fragt er. Nach Angaben von Sven Bogacz sind Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik das eine. Das subjektive Sicherheitsempfinden der Bürger das andere. So habe sich die Zahl der Diebstähle im OSL-Kreis 2012 im Vergleich zu 2011 erheblich verringert. 3788 Fälle stehen 4270 gegenüber. Die Sorgen in der Bevölkerung begründet er unter anderem mit den Medien. "Natürlich erfahren die Leute von Angriffen in der Berliner U-Bahn oder von Totschlägern in Großstädten. Aber die tatsächliche Kriminalitätsbelastung hier auf dem Land ist wesentlich geringer." Allerdings sehen sich auch zunehmend heimische Firmen durch Verbrecher bedroht. Nach Angaben von Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus, haben in einer Umfrage vom Spätherbst 2012 rund 30 Prozent der befragten Unternehmen angegeben, ihre Sicherheitslage sei schlechter geworden. Dennoch wolle die Landesregierung die Zahl der Polizisten von derzeit 8500 auf 7000 bis 2020 verringern. Die CDU hingegen verlangt, die 8000er-Grenze nicht zu unterschreiten. "Laut Statistik ist Brandenburg heute das Bundesland mit der höchsten Kriminalitätsbelastung pro Einwohner, warnt Björn Lakenmacher, "ein ganz trauriger Rekord." Quelle: LR/ Torsten Richter / trt1
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