– Weniger Polizei auf der Straße
Die Polizei in Oberhavel muss künftig mit deutlich weniger Polizisten und Streifenwagen für Sicherheit sorgen. Die Interventionszeit, also die Zeit von der Alarmierung bis zum Eintreffen der Polizei, werde sich weiter erhöhen, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Björn Lakenmacher am Dienstagabend in Oranienburg.In den vergangenen vier Jahren sei die Interventionszeit im landesweiten Durchschnitt bereits um mehr als vier auf 28 Minuten und 17 Sekunden gestiegen. Die Konrad-Adenauer-Stiftung hatte zu einem Diskussionsabend über die Bekämpfung von Kriminalität eingeladen. Lakenmacher, von Beruf Kriminalbeamter, zeichnete ein düsteres Bild. Denn künftig seien die Wachen in Hennigsdorf und Gransee nachts geschlossen. „Das halte ich für einen schweren Fehler“, sagte Lakenmacher. Der Polizist und CDU-Landtagskandidat Michael Heider aus Hohen Neuendorf sprach von einem „Spiel mit der Angst der Bürger“. Die Polizei müsse persönlich ansprechbar sein – auch in Zukunft. Lakenmacher befürchtet, dass durch fehlende Präsenz die Anzeigenbereitschaft in der Bevölkerung zurückgehen könnte. Das habe dann Auswirkungen auf die Kriminalstatistik. „Vielleicht ist das politisch so gewollt“, sagte Lakenmacher, der sich in Wahlkampflaune angriffslustig gab. Erstmals seit vier Jahren gab es 2013 in Oberhavel wieder einen Anstieg bei kriminellen Delikten. Landesweit betrug der Zuwachs 1,3 Prozent. Wie berichtet, wurden 15323 Fälle erfasst, darunter 532Wohnungseinbrüche. Brandenburg sei ein Mekka der Einbrecher, sagte Lakenmacher. Gerade im Süden Oberhavels gebe es Probleme, weil der Austausch mit der Berliner Polizei schwierig sei. Polizisten aus Oberhavel könnten oft nicht schnell genug am Tatort sein. Hinzu komme, dass lediglich sechs Streifenwagen im gesamten Landkreis unterwegs seien. Im Revier Hennigsdorf würden nur zwei Einsatzwagen bereitstehen – für ein Revier mit mehr als 87000 Einwohnern. Seien beide Streifen gebunden, könnten Täter nicht verfolgt werden. „Die Bürger nehmen die Polizei nicht mehr als Schutz wahr“, sagte der CDU-Kreisvorsitzende Frank Bommert. Die Täter wüssten auch, wo sie wegen mangelnder Polizeipräsenz am besten zuschlagen könnten. In seine Sommerfelder Metallbaufirma sei bereits zweimal eingebrochen worden. So etwas könne im Einzelfall zur Pleite führen. In Ostbrandenburg hätten einzelne Unternehmer bereits das Vertrauen in die Sicherheit verloren. Sie würden die Region verlassen, sagte Lakenmacher. „Innere Sicherheit ist ein Standortfaktor.“ Zudem drohe der Polizei mangels Nachwuchs Überalterung. In Oberhavel seien 26 Bemate jünger als 30 Jahre, im Jahr 2020 seien es nur noch 17, so Lakenmacher. Die Zahl der Polizisten zwischen 51und 60 steige dagegen von jetzt 93 auf 100. Die Kripo zehre heute von Kriminalisten, die in der DDR ausgebildet wurden. „Die sind 2020 alle in Pension“, sagte Lakenmacher und warb für eine spezialisierte Kriminalitätsausbildung statt der Einheitsausbildung bei der Polizei. Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) hatte die Personalplanung bei der Polizei zuletzt geändert. Statt auf 7000 soll die Zahl der Polizeistellen bis 2020 von heute 8250 auf 7800 sinken. Klaus D. Grote/MAZ
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