Polizisten sind fünf Wochen pro Jahr krank

Sicherheit in Brandenburg

06.04.2016, 11:54 Uhr

Jeden Tag fallen 800 Beamte krankheitsbedingt aus: Der Krankenstand bei Brandenburgs Polizei bewegt sich weiter auf hohem Niveau. Im Schnitt summieren sich die Fehltage auf fünf Wochen pro Jahr. Die Situation könnte sich bald noch verschärfen.

Potsdam. Stellenabbau, Überlastung und überalterte Kollegschaft: In Brandenburgs Polizei bewegt sich der Krankenstand weiter auf hohem Niveau. 2015 betrug die Fehlzeit pro Beamten durchschnittlich 35,5 Tage, wie Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) mitteilt. Die Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Landtagsfraktion liegt der MAZ vorab vor. Im Vergleich zum Vorjahr blieb die Zahl der Krankheitstage damit nahezu konstant. 2014 fehlten Polizisten im Durchschnitt 35,7 Tage – also gut fünf Wochen (Grundlage ist eine siebentägige Arbeitswoche). „Der Krankenstand ist nach wie vor beängstigend“, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Andreas Schuster. „Pro Tag sind durchschnittlich 800 Kollegen nicht im Dienst.“ Der Gewerkschafter befürchtet, dass sich die Probleme weiter zuspitzen werden. Hintergrund ist die seit dem zweiten Halbjahr 2015 enorm gestiegene Arbeitsbelastung, etwa zur Bewachung von Flüchtlingsunterkünften und Absicherung von Demonstrationen. Am stärksten zugenommen hat der Krankenstand bei der Kriminalpolizei. Der Landeschef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Riccardo Nemitz“, sprach von „ernstzunehmenden Alarmzeichen“. „Gegensteuern kann man nur mit jungem und gut ausgebildetem Personal.“ Unter Kriminalisten seien das Durchschnittsalter und die psychische Belastung am größten. Die Folge seien mehr Fehltage, längere Ermittlungsverfahren und nachlassende Qualität, sagte Nemitz. Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke hatte bei seinem Amtsantritt im vergangenen Sommer zum Ziel erklärt, den Krankenstand zu verringern. „Es gibt immer noch Reserven“, erklärte jetzt sein Sprecher Rudi Sonntag. Allerdings zeige das verbesserte betriebliche Wiedereingliederungsmanagement bereits Wirkung. Zudem setze sich Mörke vor Ort in den Inspektionen für ein besseres Arbeitsklima ein, sagte Sonntag. „Nur mit Rückenmassagen und Dienstsport kann man den Krankenstand nicht reduzieren“, widersprach GdP-Chef Schuster, der 8600 statt der derzeit gut 8100 Stellen fordert. Auch der Innenexperte der CDU-Landtagsfraktion Björn Lakenmacher will sich auf das Gesundheitsmanagement nicht verlassen. „Zuvorderst geht es darum, dass Brandenburg mehr Polizisten bekommt und in den Dienststellen eine kooperative Führungskultur etabliert.“
aktualisiert von Bjoern Lakenmacher, 06.04.2016, 11:55 Uhr