Winterreifen sind bei der Polizei die Ausnahme

20.12.2012, 12:35 Uhr | MOZ

Der Tod eines Polizisten vor über drei Jahren in Südbrandenburg, der mit seinem Kollegen auf spiegelglatter Fahrbahn an einen Baum fuhr, löste eine Debatte über die Bereifung der Polizeifahrzeuge aus. Noch immer sind die meisten Beamten mit Ganzjahresreifen unterwegs.

Bei den Johannitern gibt es gar keine Diskussion darüber, mit welchem Profil die Rettungsfahrzeuge bei Schnee und Eisglätte zu Einsätzen ausrücken. Die Wagen aus den beiden Rettungswachen in Neuenhagen und Rüdersdorf müssen schließlich nicht selten schneller fahren als die Polizei erlaubt. "Wir haben natürlich Winterreifen", sagt Mandy Lehmann, Sprecherin des Regionalverbandes Oderland-Spree.

Bei der Polizei selbst macht das Land jedoch Abstriche an der Sicherheit und rüstet die Mehrzahl der Einsatzwagen lediglich mit Ganzjahresreifen aus. Aus technischer Sicht sei das völlig ausreichend, sagt Jörg Kirst vom ADAC Berlin-Brandenburg, doch ein Allwetterreifen sei immer nur ein Kompromiss. "Er hat eine andere Gummierung und ein anders Profil", erklärt der ADAC-Experte und zweifelt schon daran, dass sie die geeignete Winterausrüstung für die Polizei ist.

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Björn Lakenmacher, sieht das ähnlich und vermisst die Fürsorgepflicht des Landes als Dienstherr gegenüber seinen Beamten. "Einheitspolizei, Einheitsausbildung, Einheitsreifen - das ist nicht im Sinne des Erfinders", kommentiert Lakenmacher die schon 2009 getroffene Entscheidung des Landes. Damals hatte ein schwerer Verkehrsunfall zwischen Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) und Plessa (Elbe-Elster) die Diskussion um Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen entfacht. Auf glatter Fahrbahn war ein mit zwei Bundespolizisten besetzter Streifenwagen ins Schleudern geraten und gegen einen Baum geprallt - ein 36-jähriger Beamter überlebte die Kollision nicht.

Das Innenministerium reagierte mit einer Studie, in die auch die Dekra einbezogen worden ist und an deren Ende der Allwetterreifen als Sieger feststand. "Ausgehend von den zertifizierten guten Fahreigenschaften unter winterlichen Bedingungen und der kostengünstigen Lösung einer Ganzjahresbereifung ist für die Polizei entsprechend entschieden worden", sagt Ministeriumssprecher Geert Piorkowski. Besseren Schutz gibt es dem Ministerium zufolge lediglich für Kollegen, die "mit anderen Fahrgeschwindigkeiten" unterwegs sind, beispielsweise auf Autobahnen oder in "getarnten Pkw mit höherer Motorisierung". Das Land beruft sich dabei auch auf Erfahrungen anderer, vor allem nördlicher Bundesländer mit vergleichbaren Witterungsbedingungen und ähnlichen geographischen Verhältnissen und bezeichnet die Ausrüstung der Polizeiflotte mit qualitativ hochwertigen Ganzjahresreifen als gute und vertretbare Lösung in Brandenburg.

Der ADAC Berlin-Brandenburg vermisst die Vorbildwirkung, die von der Polizei ausgehen sollte. Stephan Schweda, Sprecher des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV), bedauert, dass der Gesetzgeber in Deutschland nicht klar die Notwendigkeit von Winterreifen geregelt habe.

[Quelle:MOZ]

aktualisiert von Bjoern Lakenmacher, 20.12.2012, 12:38 Uhr