Kriminalpolizisten schlagen Alarm

27.03.2013, 09:14 Uhr | MOZ/ hek

Brandenburgs Kriminalpolizisten haben angesichts der hohen Arbeitsbelastung vor weiteren Personalabbau gewarnt. Bei einer Versammlung des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) wurde beklagt, dass viele Delikte kaum noch bearbeitet werden können. Mit einem an Brandenburgs Innenministerium gerichteten Appell wollen die Kriminalisten nun auf ihre Probleme aufmerksam machen. Defizite werden bei der Personalausstattung, bei der Ausbildung sowie bei der späteren   Spezialisierung gesehen. "Wir können Kriminalität nicht so bekämpfen, wie wir es eigentlich müssten", sagte der neue Landesvorsitzende des BDK, Riccardo Nemitz, am Dienstag in Frankfurt (Oder).

So wurden nach seinen Aussagen im vergangenen Jahrzehnt bereits 400
Kripo-Beamte eingespart, durch die Reform sollen weitere 400 Stellen wegfallen. "Wir sind bei der Arbeitsbelastung bereits über dem Limit", so
Nemitz weiter. Die Zahl der Straftaten sei indes "überdurchschnittlich hoch". In
Brandenburg müssten seine Kollegen jährlich rund 120 000  ermittlungsintensive Fälle bearbeiten, darunter Gewaltverbrechen. Delikte außerhalb der schweren Kriminalität würden nicht immer intensiv verfolgt.
Zweifel hegen die Ermittler auch an den vom Innenministerium jüngst vorgelegten Zahlen, die einen deutlichen Rückgang der Straftaten belegen. Der langjährige BDK-Vorsitzende Wolfgang Bauch forderte daher die Einrichtung eines Expertengremiums zur Bewertung der Sicherheitslage. Statistiken würden immer wieder nach politischen Erwägungen interpretiert, kritisierte er. Zugleich forderten die Polizisten eine Umstrukturierung der Ausbildung. Kriminalisten würden seit der Wende nicht mehr in Brandenburg ausgebildet, sondern nur sogenannte "Einheitspolizisten", erklärte Nemitz. Andere Länder beschritten dagegen einen anderen Weg. Auch würden nach seinen Erfahrungen neue Kriminaltechniker fehlen. Kollegen berichteten ihm, dass zu jedem zweiten Einbruch in ein Wohnhaus keine Spezialisten mehr vor Ort fahren. Die Aussagen wurden vom CDU-Innenexperten Björn Lakenmacher bestätigt. "Wir brauchen mehr gut ausgebildete Kriminalisten", sagte er. Die Qualität der vor Gericht vorgebrachten Beweise sinke seit Jahren, hat der Abgeordnete erfahren. Wenn jedoch nicht mehr richtig ermittelt werde, verlören die Bürger  das Vertrauen in  Strafverfolgungsbehörden. Das Polizeipräsidium wies die Vorwürfe zurück. Die Kriminalisten seien leistungsfähig, was sich in der gestiegenen Aufklärungsquote zeige, so Sprecher Rudi Sonntag. Die Dienststellen
der Kripo arbeiteten eng zusammen. Ebenso werde bei Einbrüchen eine "qualifizierte Tatortarbeit" sichergestellt.
aktualisiert von Bjoern Lakenmacher, 27.03.2013, 09:20 Uhr