Revierkämpfe im Rockermilieu

Landeskriminalamt: Mitglieder von drei Clubs sind schon seit Oktober 2011 in Königs Wusterhausen aktiv

06.01.2012, 08:04 Uhr | MAZ/pe

Rocker tragen Revierkämpfe in Königs Wusterhausen aus. Das haben MAZ-Recherchen ergeben. Mitglieder von drei verfeindeten Clubs sind in der Stadt aktiv. Brutale Höhepunkte waren zwei Messerattacken im Dezember 2011.

Bereits seit Oktober lägen Informationen vor, nach denen sich in Königs Wusterhausen der „La Onda MC“ gegründet hat, so Karina Schulter, Sprecherin des brandenburgischen Landeskriminalamtes (LKA). Bei dem Rockerclub „La Onda MC“ handele es sich um Unterstützer des Bandidos MC Berlin City. Schulter zufolge habe es im Oktober auch erste Anzeichen eines Konfliktes zwischen Clubs der Hells Angels und des Gremium MC gegeben. Angehörige der beiden letztgenannten Clubs seien an der gewaltsamen Auseinandersetzung vom 25. Dezember beteiligt gewesen. Bei dieser „gezielt herbeigeführten Auseinandersetzung“ sei ein Mitglied des Gremium MC schwer verletzt worden, so Schulter. Am 31. Dezember wurde ein 15-Jähriger das Opfer einer Rockergruppe, die ihn grundlos niederstach. Bei den Tätern soll es sich laut Potsdamer Staatsanwaltschaft um Mitglieder des Gremium MC gehandelt haben.

„Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass ungeklärte Macht- und Gebietsansprüche zwischen verfeindeten Rockergruppierungen Auslöser für gewaltsame Auseinandersetzungen sein können“, so LKA-Sprecherin Karina Schulter. Dabei könne es um den Handel mit illegalen Drogen oder Konkurrenz im Tattoo-oder Türsteher-Gewerbe gehen. Eine solche Konkurrenzsituation habe „offensichtlich zu den Ereignissen Ende Dezember 2011 in Königs Wusterhausen geführt“, so LKA-Sprecherin Karina Schulter.

Königs Wusterhausens Vize-Bürgermeister Jörn Perlick fordert Unterstützung vom Land im Kampf gegen gewalttätige Rockerclubs ein. „Unsere Möglichkeiten als Stadt sind beschränkt.“

Der Bestenseer CDU-Landtagsabgeordnete Björn Lakenmacher erneuert seine Kritik an SPD-Innenminister Woidke und der Polizeireform. „Die Kernaufgaben der Polizei, Prävention und Strafverfolgung, leiden darunter“, so Lakenmacher. Weiter kritisierte er das Fehlen einer Polizei-Spezialeinheit in Brandenburg, die wie in Berlin wirksam gegen Rockerbanden vorgehe. Dem widersprach die Cottbuser Polizeisprecherin Ines Filohn. „Bei Rockern müssen wir immer mit Waffen rechnen.“ Deshalb gehe bei einer Razzia nicht der normale Streifenpolizist, sondern ein Sondereinsatzkommando in die Clubs rein.

Noch spricht nichts dafür, dass so ein Einsatz kurz bevorsteht. „Sämtliche Aktivitäten der Rockerszene werden von der Polizei weiter aufmerksam verfolgt“, so LKA-Sprecherin Schulter. Sie rät, dass „Kommunen, Bürger und vor allem Gastwirte und Betreiber von Diskotheken bei ersten Anzeichen, dass Rockerclubs sich etablieren wollen, die Polizei in Kenntnis setzen.“ Nicht selten böten Angehörige von Rockerclubs ihre Dienste als Türsteher an. In der Vergangenheit sei solchen Ansinnen mehrfach mit Gewalt Nachdruck verliehen worden. Wichtig sei, sich bei nicht dem Druck zu beugen, sondern an die Polizei zu wenden, „Hier gibt es Kommissariate, die sich mit Rockerkriminalität auskennen und professionell helfen können.“

Hinweise zu den Messerstechereien vom 25. und 31. Dezember an die Polizei, 0 33 75/27 00. (MAZ/pe)

aktualisiert von Bjoern Lakenmacher, 11.01.2012, 08:06 Uhr